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Wenn Schweigen lauter wirkt als Worte.

Kennst du diese Momente in Meetings, in denen plötzlich eine Spannung im Raum liegt – fast greifbar, aber keiner spricht sie an?
 
Ein unausgesprochenes „Eigentlich müsste man mal …“, das zwischen Flipchart und Kaffeetasse hängen bleibt.
Alle spüren, dass etwas unausgesprochen ist.
Doch statt Worte fallen Blicke, kleine Gesten, ein Augenrollen.
Und am Ende geht man auseinander, als wäre nichts gewesen.
 
Nur – es war etwas. Und es bleibt.

Warum Schweigen selten nur Persönlichkeit ist

Zurückhaltung wird oft als persönliche Eigenschaft beschrieben.
„Ich bin halt eher leise.“
Doch in Organisationen ist Schweigen selten nur Temperament – es ist ein erlerntes Beziehungsmuster.
Mit der Zeit bildet jedes Team ein unausgesprochenes Gleichgewicht:
  • Die, die sprechen, übernehmen Richtung und Deutung.
  • Die, die zuhören, halten Struktur, Stabilität und Harmonie.
Beide Rollen sind wichtig – und beide tragen zur Kultur bei. Das Spannende ist: Sie halten sich gegenseitig in der Balance. Wie zwei Gegengewichte auf einer Waage stabilisieren sie das Muster – jeder auf seine Weise. Solange einer laut bleibt und der andere still, kippt das Gleichgewicht nicht – aber es bewegt sich auch nicht.
 
Je lauter die einen werden, desto stiller werden die anderen. Und je stiller die einen bleiben, desto lauter fühlen sich die anderen berufen, zu reden. Das läuft unbewusst, aber hochwirksam. Denn Schweigen stoppt keine Kommunikation – es verschiebt sie. Was nicht ausgesprochen wird, sucht sich andere Wege: über Körpersprache, subtile Ironie, Nonverbales. Ein kurzes Augenrollen kann mehr über die Teamkultur verraten als zehn gut gemeinte Feedbackgespräche.

Wie stille und laute Rollen sich gegenseitig verstärken

In der Tiefe geht es dabei um Sicherheit. Schweigen schützt – vor Konflikten, vor Kritik, vor Blamage.
Und genau das macht es so tückisch: Während die Zurückhaltung innen Sicherheit schafft, erzeugt sie außen Unklarheit. Unklarheit darüber, was jemand denkt, braucht oder beitragen könnte. So bleiben Gedanken, Perspektiven und Bedenken unausgesprochen – und das Team verliert kollektive Intelligenz.
Und dann entstehen diese klassischen Szenen:
  • Der Chef wundert sich, dass niemand ehrlich Feedback gibt.
  • Das Team wundert sich, dass wieder niemand gefragt hat.
  • Und alle zusammen wundern sich, warum es sich nicht ändert.
Das Muster bleibt stabil – weil alle, die es stört, gleichzeitig dazu beitragen, dass es bestehen bleibt.

Was Schweigen wirklich bewirkt

Schweigen verändert Kommunikation, ohne dass es jemand beabsichtigt. Es verschiebt Macht, Wahrnehmung und Einfluss. Denn wer spricht, prägt das Bild – wer schweigt, bestätigt es.
 
So entstehen mit der Zeit unsichtbare Regeln:
  • „Stör den Ablauf nicht.“
  • „Sag lieber nichts, wenn es nicht perfekt ist.“
  • „Mach’s einfach – und halt dich raus.“
Diese unausgesprochenen Spielregeln sind mächtiger als jede Leitlinie. Sie entscheiden, ob Menschen Ideen teilen, Verantwortung übernehmen oder still ihren eigenen Weg gehen.

Drei Impulse, um Muster zu verändern

1. Schweigen ist Kommunikation.

Wenn du nichts sagst, sagst du trotzdem etwas – über dich, über die Situation, über das System.
Frage dich: Was kommuniziere ich gerade durch mein Schweigen? Zustimmung? Skepsis? Angst?

2. Stillhalten stabilisiert Systeme.

Wer schweigt, erhält das Muster mit aufrecht, das er eigentlich verändern möchte.
Wenn du willst, dass sich etwas bewegt, beginne mit einem Satz, der bisher unausgesprochen blieb.

3. Sichtbar werden heißt nicht, laut sein.

Es geht nicht um Lautstärke, sondern um Präsenz.
Schon ein „Ich sehe das anders“ kann eine Kultur verändern – vorausgesetzt, es wird gesagt.

Fazit: Wenn Schweigen das Miteinander prägt

Die Kultur eines Teams zeigt sich nicht daran, wie viel gesprochen wird. Sondern daran, was unausgesprochen bleibt. Vielleicht ist es also Zeit, beim nächsten Meeting weniger auf die Lauten zu schauen, sondern stattdessen auf das, was zwischen den Worten passiert. Denn Schweigen ist nie neutral. Es formt Beziehungen, Entscheidungen, ganze Organisationen – still, aber konsequent.
 
Der erste Schritt bedeutet nicht, lauter zu werden. Sondern einfach, den Moment zu bemerken, in dem du eigentlich etwas sagen wolltest – und es diesmal tust.

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