Eine Führungsfrage, die durch KI an Bedeutung gewinnt.
Was Führung können muss, wenn andere bei KI längst weiter sind.

Mein Sohn arbeitet gerade als Ferienjobber in meinem Unternehmen.
Keine Ausbildung, das Studium beginnt erst in ein paar Wochen. Und trotzdem stellt er gerade einige unserer Prozesse in einer Geschwindigkeit auf KI um, bei der mir manchmal schwindelig wird.
Er probiert aus, baut Lösungen, verwirft sie wieder und findet den nächsten Weg. Aufgaben, für die wir früher Tage oder sogar Wochen gebraucht hätten, erledigt er teilweise innerhalb weniger Stunden.
Und ich? Ich merke, dass ich andere Fragen stelle.
- Passt die Lösung zu unseren Abläufen?
- Ist das Ergebnis wirklich belastbar?
- Was übersehen wir gerade?
- Welche Auswirkungen hat die Veränderung auf andere Prozesse?
- Und was bedeutet sie eigentlich für die Menschen, die später damit arbeiten sollen?
Seine Geschwindigkeit ist ein großer Gewinn. Meine Erfahrung hoffentlich auch. Und genau darin steckt für mich eine Führungsfrage, die durch KI gerade sehr viel relevanter wird: Wie schaffen wir Zusammenarbeit, in der Erfahrung nicht zum Bremsklotz und Geschwindigkeit nicht zum Selbstzweck wird?
KI verändert mehr als unsere Prozesse
Wenn wir über KI in Unternehmen sprechen, geht es häufig um Effizienz. Was können wir automatisieren? Wo sparen wir Zeit? Welche Aufgaben lassen sich schneller erledigen?
Das sind wichtige Fragen. Aber sie greifen zu kurz. Denn KI verändert noch etwas anderes: Kompetenz verteilt sich neu. Plötzlich kann jemand, der erst seit wenigen Monaten im Unternehmen ist, auf einem wichtigen Gebiet deutlich mehr wissen als die eigene Führungskraft. Ein Mitarbeiter entwickelt innerhalb von zwei Tagen einen KI-gestützten Prozess, für den bisher mehrere Personen deutlich länger gebraucht haben.
Und dann?
- Wer entscheidet, ob daraus ein verbindlicher Prozess wird?
- Woran messen wir, ob die Lösung wirklich gut ist?
- Wer erkennt mögliche Auswirkungen auf andere Bereiche?
- Und wie viel Kontrolle braucht es, ohne genau die Experimentierfreude wieder auszubremsen, die solche Lösungen überhaupt erst möglich macht?
Spätestens an dieser Stelle wird KI zum Führungsthema.
Wenn Erfahrung zum Bremsklotz wird
Langjährige Erfahrung ist enorm wertvoll. Sie kann uns aber verleiten, Neues vorschnell mit dem zu vergleichen, was wir bereits kennen.
„Das haben wir schon einmal versucht.“
„So funktioniert unser Prozess aber nicht.“
„Das kann doch nicht belastbar sein.“
Manchmal steckt darin wichtige Urteilskraft. Manchmal bewerten wir das Neue aber schlicht mit den Maßstäben des Alten. Gerade bei KI wird deshalb eine Fähigkeit entscheidend: Erfahrung nicht nur dafür zu nutzen, Antworten zu geben, sondern bessere Fragen zu stellen.
Nicht: „Warum sollte das funktionieren?“
Sondern: „Was müssten wir berücksichtigen, damit es funktionieren kann?“
Klingt nach einem kleinen Unterschied. Für Zusammenarbeit macht er einen ziemlich großen.
Umgekehrt ist Geschwindigkeit noch kein Fortschritt
Auch das erlebe ich gerade. Was technisch möglich ist, fasziniert. Mich übrigens genauso. Ein Prozess dauert nicht mehr drei Wochen, sondern drei Stunden. Ein erster Entwurf entsteht in Minuten. Informationen können in einer Geschwindigkeit ausgewertet werden, die vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war.
Doch nicht alles, was schneller möglich ist, ist es nicht automatisch besser. Vielleicht automatisieren wir einen Prozess, den wir eigentlich grundsätzlich hinterfragen müssten. Vielleicht optimiert die KI einen Teilprozess und schafft dafür an anderer Stelle neue Probleme. Vielleicht ist ein Ergebnis technisch beeindruckend, aber für die Menschen, die damit arbeiten sollen, schlicht nicht praktikabel.
Geschwindigkeit schafft Möglichkeiten. Urteilskraft entscheidet, welche davon wir nutzen sollten.
Was heißt das für Führung?
Aus meiner Sicht vor allem eines: Führungskräfte müssen bei KI nicht die größten Experten im Raum sein. Vielleicht sollten sie sich sogar daran gewöhnen, es an manchen Stellen ausdrücklich nicht zu sein. Ihre Aufgabe verändert sich dadurch aber nicht in Richtung Bedeutungslosigkeit. Im Gegenteil.
Wenn Kompetenz anders verteilt ist als Hierarchie, braucht es Führung, die mit genau dieser Situation umgehen kann.
- Wie viel Raum geben wir zum Experimentieren?
- Wann greifen wir ein?
- Wer darf entscheiden?
- Nach welchen Kriterien wird aus einem Versuch eine Lösung für das Unternehmen?
- Wie schaffen wir Sicherheit, ohne jede neue Idee erst durch fünf Freigabeschleifen zu schicken?
- Und wie gehen Führungskräfte damit um, wenn ein Mitarbeiter technologisch deutlich weiter ist als sie selbst?
Das sind keine Tool-Fragen. Das sind Führungsfragen.
Und plötzlich bekommt generationsübergreifende Zusammenarbeit eine neue Dimension
Mein Sohn und ich sind dafür natürlich nur ein kleines Beispiel. Und nein, ich glaube nicht an die einfache Gleichung: jung = KI-affin, erfahren = skeptisch.
Dafür erlebe ich in Unternehmen viel zu viele Gegenbeispiele. Aber unterschiedliche Erfahrungshorizonte können gerade im Umgang mit KI enorm wertvoll sein. Der eine sieht Möglichkeiten, weil er weniger durch bestehende Strukturen geprägt ist. Die andere erkennt Wechselwirkungen, weil sie erlebt hat, was Entscheidungen in einer Organisation auslösen können.
Die interessante Frage lautet deshalb für mich nicht: Wer hat recht?
Sondern: Wie organisieren wir Zusammenarbeit so, dass aus diesen unterschiedlichen Perspektiven bessere Entscheidungen entstehen?
Mein Sohn treibt mich gerade vor sich her. Und das ist gut so. Gleichzeitig merke ich, dass meine Rolle nicht darin besteht, mit seiner Geschwindigkeit mitzuhalten. Viel wichtiger ist, dass wir unsere unterschiedlichen Perspektiven miteinander verbinden.
Vielleicht lohnt sich deshalb ein kurzer Blick auf die eigene Organisation
Wo wird KI bei Ihnen bereits schneller eingesetzt, als Führung Orientierung geben kann?
Ist geklärt, wer entscheidet, wann aus einem Experiment ein verbindlicher Prozess wird?
Und sind Ihre Führungskräfte darauf vorbereitet, Menschen zu führen, die ihnen beim Thema KI technologisch voraus sind?
Wenn diese Fragen noch nicht eindeutig beantwortet sind, ist das nicht ungewöhnlich. Viele Unternehmen befinden sich gerade genau an diesem Punkt. Deshalb haben wir unterschiedliche Formate entwickelt, mit denen wir Führungskräfte und Unternehmen beim Umgang mit KI unterstützen.
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